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Ein bestechend logischer Lösungsvorschlag für die derzeitig in der Familiendebatte diskutierten Probleme – so bestechend, dass es weh tut.

Hartnäckige Probleme verlangen nach radikalen Lösungen. Dies ist auch bei der Antwort auf die Frage, wie wir unsere Gesellschaft und Arbeitswelt ohne Doppelbelastung und Dauerstress mit Karriere und Familie organisieren können, der Fall. Dazu ein rabenschwarz-satirischer Vorschlag von Kendra Thiemann.

Die deutsche Familie lebt, wie schon an anderer Stelle mehrfach beschrieben, in schwierigen Zeiten. Die Wirtschaft bedarf unser aller Unterstützung und lässt verständlicherweise wenig Raum für Privatleben. Wir haben also schon aus Zeitgründen kaum Gelegenheit, einen auch nur halbwegs geeigneten Partner kennenzulernen, geschweige denn, eine Hochzeit zu organisieren und Kinder zu bekommen. Das alles kostet noch einen Haufen Geld, und das haben wir in diesen harten Zeiten erst recht nicht mehr übrig, denn wir müssen ja fürs Alter vorsorgen, wie uns der Staat immer wieder fürsorglich einbläut. Doch diese Kollateralschäden der modernen Wirtschaft sind klein und unbedeutend gegenüber deren Errungenschaften: Dank der Emanzipation und der Fortschritte in unserer Gesellschaft steht Frauen wie Männern der Weg zu Bildung und Karriere offen. Endlich können wir uns selbst verwirklichen, ohne uns von überkommenen traditionellen Lebensmodellen einengen zu lassen. Hurra! Niemand wird mehr gezwungen, sich zu Hause in den eigenen vier Wänden zu Tode zu langweilen und aus lauter Verzweiflung zweimal täglich den Fußboden zu wischen, oder sich von Kindergeschrei und Windeln wechseln martern zu lassen. Endlich können wir uns umfassend und ganztägig den wirklich wichtigen, spannenden und wesentlichen Dingen im Leben widmen, zum Beispiel dem Schreiben von E-Mails, die der Empfänger nicht liest, weil seine Mailbox überläuft, dem Entgegennehmen von Telefonaten für unsere Vorgesetzten, die das Zehnfache von uns verdienen, sowie dem Erstellen von Word-Dokumenten und PowerPoint-Präsentationen, die aus Zeitmangel kein Mensch je lesen wird. Des weiteren, indem wir unsere Zeit in klimatisierten Konferenzräumen ohne Fenster in stundenlangen Meetings absitzen, Kekse am Fließband verpacken, Regale einräumen oder die Tage auf Dienstreise im Flugzeug und die Nächte auf Dienstreise in Hotels verbringen.

Der störende Sand

Das Getriebe unserer superschönen neuen Welt könnte störungsfrei laufen und uns alle beglücken, wenn nicht ein paar ewiggestrige, dauerfrustrierte subversive Elemente unserer Gesellschaft ihren Lebenssinn darin sehen würden, immer wieder Sand hineinzuschütten. Sie wissen schon, diese Menschen, die das System dauernd kritisieren und Unruhe stiften, weil sie selbst zu faul, zu dumm oder gar beides sind, die ihnen offenstehenden Chancen zu nutzen. Menschen, die kritisieren, dass die Arbeitswelt zu männlich dominiert und für weibliche Talente wie Einfühlsamkeit und Intuition dort kein Platz sei, oder Menschen, die in Frage stellen, dass arbeitende Mütter glücklicher sind! Ja, genau, ich meine die Frauen! Rückständig und reformresistent, wie sie sind, weigern sie sich bis heute, einzusehen, dass die Arbeitswelt, ja unsere Gesellschaft, sich der Rationalität, der Effizienz und der Hierarchie bedient, weil dies einfach das bessere Modell ist. Kein Mensch braucht so nervige soft skills wie Verständnis und Gefühl. Und die Kommunikation funktioniert doch: Der Chef gibt die Anweisung und die Untergebenen führen sie aus. So läuft es gut. Effizient. Wir sind schließlich zum Arbeiten da und nicht in der Therapie, die ja im Übrigen auch kein Mensch braucht, diese ganzen Leute mit ihren angeblichen seelischen Problemen, das sind doch alles nur Wichtigtuer, die eine Ersatzbühne für ihr Ego brauchen, weil sie es auf der Arbeit zu nichts bringen, weil sie keinen ordentlichen Einsatz zeigen.

Sand wird Öl

Ja, und wie es leider so ist, haben unsere Politiker auch hier leider trotz jahrelangen Herumdokterns noch nicht die Lösung des metastasierenden Problemgeschwürs gefunden. Dabei wäre es einfach. Oder womöglich sind sie auch schon selbst darauf gekommen aber trauen sich einmal wieder nicht, dem Volk die unliebsame Wahrheit beizubringen, um keine Wählerstimmen zu verlieren. Das ließe sich nämlich bei dieser Maßnahme nur schwerlich vermeiden, die da lautet: Abschaffung der Frauen! Unsere Gesellschaft braucht keine Mitglieder, die den Männern vorwerfen, auf sie keine Rücksicht zu nehmen und ihnen das Kinderkriegen zu vereiteln, die den Spaß an der Karriere in Frage stellen und uns somit vermiesen und sich selbst der Wirtschaft verweigern. Wir wollen keine Kinder, sondern Fachkräfte, und deshalb brauchen wir auch keine Frauen. Bisher haben wir sie geduldet, in der Hoffnung, sie mit der Zeit zur Besinnung bringen zu können, doch dies ist nur mit einem Teil von ihnen gelungen, der sich widerspruchslos angepasst hat. Wir haben uns getäuscht. Nun müssen wir zu härteren Mitteln greifen, um unsere Lebensweise zu retten. Der Teil der Frauen, der auf unserer Seite ist, wird unsere Vorgehensweise unterstützen, ist diese doch auch zu ihrem Besten. Nein, wir wollen die Frauen nicht umbringen oder so etwas. Wir sind ja keine Unmenschen. Unser Vorschlag: Jede Frau bekommt die Pille, aber nicht etwa eine zur Verhütung, sondern eine, die sie allmählich in einen Mann verwandelt. Ganz schmerzfrei, ohne Piks. Ihnen zuliebe, damit sie endlich in die Umgebung reinpassen und sich nicht länger unwohl fühlen müssen, und uns zuliebe, damit unser Getriebe wieder störungsfrei und effizient läuft. Sehen Sie, die moderne Welt ermöglicht gewaltfreie Lösungen für alle Probleme. Widerstand gegen sie ist daher nicht nur zwecklos, sondern vor allem völlig unangebracht.

Kendra Thiemann,
Juni 2008