Bevor ihr anfangt, zu lesen ...
In diesem Blog gebe ich meine persönlichen Erfahrungen, Gefühle und Ansichten wieder. Nicht mehr, und nicht weniger. Dieser Blog stellt keine Empfehlung für bestimmte Verhaltensweisen dar und ist auch keine Propaganda für einen bestimmte Gebärmethode.
Ich schreibe aus Lust am Schreiben.
Dabei spreche ich teilweise recht offen über körperliche Vorgänge. Wem das unangenehm ist, der nehme bitte Abstand davon, diesen Blog zu lesen.
Danke.
Und so funktioniert es: Der jeweils neueste Eintrag steht ganz oben auf der aktuellen Seite. Vor- oder Zurückblättern könnt ihr am Ende der Seite ganz unten.
Viel Spaß beim Lesen und wenn Euch der Blog gefällt, empfehlt ihn bitte weiter.
Montag, 3. Oktober 2011
Tragen
Wir ihr vielleicht noch in Erinnerung habt, hatte ich vor der Geburt mit Begeisterung von Jean Liedloffs Kontinuum-Konzept gelesen und wollte mit meinem Kind soviel davon wie möglich umsetzen. Unter anderem das Tragen, also das Kind tagsüber am Körper zu tragen. Zu diesem Zwecke hatte ich mir ein schönes, neugeborengeeignetes Tragetuch aus weichem rotem (Neugeborene sollen ja Rot mögen!) Baumwolljersey zugelegt.
Nach ein paar Tagen habe ich es das erste Mal ausprobiert, und so ab dem dritten Versuch war mein Kind im Tuch glücklich und ich total begeistert: Ich hatte beide Hände frei und konnte mich frei bewegen, während ich eine glückliche Olivia eng an mich gekuschelt hatte.
Aaaber: Wieso sagt einem keiner, dass man für diese Vorhaben bitte schon Monate vorher mit Muskelaufbau und Konditionstraining anfangen soll?? Eine halbe Stunde Kind tragen, und ich hatte Rückenschmerzen und war total geschafft. Doof!
Nach zwei Wochen habe ich noch eine weitere Tragehilfe angeschafft, die für mich wesentlich leichter zu handhaben und besser zu tragen ist als ein Tragetuch. Das Wunderteil nennt sich Marsupi und lässt sich ruck-zuck mit Klettverschlüssen ummachen. Genial. Damit kann ich länger tragen, aber nach 2 Stunden bin ich immer noch geschafft.
Olivia kommt jetzt vor allem durch ihren Papi in den Genuss des Getragen-Werdens, dem macht das nämlich nichts aus, weil der etwas fitter ist als Mami ;-)
Schade. So ein schöner Plan, aber körperlich für mich nicht durchführbar. Also, an alle Schwangeren: Rückenmuskulatur aufbauen! Und die Arme nicht vergessen, denn so ein 3, 4, oder 5-Kilo-Paket mit sich rumschleppen, hochheben, schaukeln und so weiter ... ich sag nur: Aua Muskelkater....
Denn das Tragen ist schon super. Erstens, wie gesagt, hat man damit mehr Freiheit und zweitens beruhigt es das Kind. Während Olivia sich die ersten Wochen kaum eine halbe Minute hat irgendwo ablegen lassen, ohne anzufangen zu schreien, war sie im Marsupi zufrieden und hat gut geschlafen.
Seit ein paar Tagen kann man sie auch einmal eine Weile hinlegen. Sie schreit nicht, sondern guckt begeistert um sich und erkundet die Welt. Besonders beliebt ist Mobile-Gucken. Welch ein Luxus :-) Aber sie ist ja jetzt auch schon gross, sozusagen ;-), schon sechseinhalb Wochen!
Montag, 3. Oktober 2011
Bauch
Auf den Fotos von Olivias erstem Tag auf dieser Welt sieht man bei mir deutlich, wie unter dem T-Shirt ein grosser Bauch schwabbelt. Und von anderen Müttern hatte ich gehört, dass es Monate dauert, bis einem die Hosen von früher wieder passen.
Darauf war ich eingestellt.
Aber, wir lernen, das muss nicht so sein. Zu meiner grossen Verwunderung war schon nach einer Woche nur noch wenig Bauch zu sehen, und ca. zwei Wochen später quasi nichts mehr. Kein Mensch würde glauben, dass ich vor so kurzer Zeit hochschwanger gewesen bin ...
Nach fünf Wochen haben alle Hosen wieder gepasst bis auf zwei Jeans.
Nur den Streifen in der Mitte habe ich noch, und der Bauch ist ganz weich. Lustig :-)
???
Freitag, 30. September 2011
18.8.: Olivia ist da!!
Am 18. August morgens um 5.09 Uhr war es soweit: Ein kleines flutschiges Bündel wurde mir auf den Bauch gelegt :-) und ich war der seligste Mensch der Welt. Ein paar Minuten später kamen Paul und ich auch noch auf die Idee, nachzusehen, ob es nun ein Junge oder ein Mädchen ist ... ein Mädchen! Olivia!
Diesem Moment vorausgegangen war eine lange, lange Nacht. Die Wehen waren am Dienstag noch weitergegangen, hatten aber abends vor dem Schlafengehen wieder aufgehört und ich bekam sage und schreibe eine ganze Nacht ordentlichen Schlaf. Morgens um sieben wachte ich auf und dachte: "Mist, wieder ein Nacht um und nichts! Die Wehen haben völlig aufgehört!", ging aufs Klo und - kaum gedacht, schon ging es wieder los.
Am späten Vormittag waren die Wehen schon zeitweilig bei nur 5 Minuten Abstand. Ich sagte den Kontrolltermin bei unserer Hebamme im Geburtshaus und bat sie, stattdessen zu uns zu kommen....
In der Zwischenzeit stieg ich bestens gelaunt in die Wanne, kam aber nach einer Stunde oder so wieder raus, weil die Wellen aufhörten.
Als Aline, unsere Hebamme kam, meinte sie, ich sei vielleicht zu früh in der Wanne gewesen, das könne die Wellen wieder stoppen :-(
Wir verabredeten, am späten Nachmittag noch einmal zu sprechen.
Den Nachmittag verbrachte ich mit meinen beiden Freundinnen Dana und Kerstin und Kerstins Tochter Tabea im Garten. Keine Anzeichen von irgendeiner Geburt.
Am frühen Abend brachte Kerstin Tabea nach Hause. Aline kam zu einer Fussreflexzonenmassage und liess mir ein homöopathisches Mittel zur Wehenstimulation da.
Ich war trotz der guten Nacht, die ich hinter mir hatte, insgesamt erschöpft. Ausserdem glaubte ich nicht, dass es in den nächsten Stunden losgehen würde - wie die letzten Wochen schon nicht!!!
Kerstin, Dana und ich wollten es noch mit ein bisschen Bauchtanz versuchen, das soll angeblich die Geburt in Gang bringen können - für mich war das eher etwas zum Spass haben, aber auch gut :-)
Dana und ich tanzten uns schon einmal warm, bis Kerstin zurückkam. Kaum war sie da, hatte ich auf einmal keine Lust mehr zum Tanzen, weil da wieder dieses ZIEHEN war ... und ziemlich heftig.
Ich zog mich auf unsere Matratze im Wohnzimmer zurück und versuchte, mich durch die Wehen hindurch zu entspannen, bis sie wieder weggingen (denn das würden sie ja ;-) ). Dana und Kerstin warteten ab ... und ich wunderte mich, warum sie nicht wieder nach Hause gingen?
Abends um zehn wurde mir bei den Wehen schwindelig. Die anderen riefen Aline, die auch gleich kam. Ich wollte in die Wanne, was mir nach einem Kreislaufcheck zum Glück genehmigt wurde - die Wehen waren nämlich regelrecht fies, und ich hatte die Hoffnung, es würde im schönen warmen Wasser weniger weh tun.
Das Wasser war dann auch schön und angenehm, nur leider fühlte sie alles noch genauso an fies an wie draussen. Das war ein ziemlicher Schock. Ich war gut entspannt und konzentrierte mich auf die Langsame Atmung - nur dumm, dass sich bei jeder Wehe alles so zusammenkrampfte, dass ich gar nicht mehr atmen konnte.
Die nächsten Stunden bis irgendwann zwischen drei und vier Uhr morgens verbrachte ich mit Paul in der Wanne, der mich hielt. Kerstin gab mir immer wieder Suggestionen zur Entspannung.
Ich war wirklich voll in Trance und sehr, sehr weit weg, und Zeitgefühl hatte ich auch keines mehr. Die ganze Zeit war ich damit beschäftigt, eine Wehe nach der anderen durchzustehen und Kraft für die nächste zu sammeln. Irgendwie dachte ich immer, ich würde bald vor Erschöpfung einfach einschlafen oder in Ohnmacht fallen - die Sache mit dem Kind schien mir immer noch absurd, und ich fand es fast ein bisschen komisch, als Aline ihre Kollegin Christine holte und gegen Mitternacht schon Handtücher im Ofen vorgewärmt wurden....
Zwischen drei und vier (niemand weiss es mehr genau...) veränderten sich die Wehen. Es drückte auf einmal mordsmässig nach unten und ich wusste erst einmal gar nicht, was ich damit anfangen sollte. Aber irgendwie fand ich in der Wanne keine Position mehr, mit der ich glücklich war. Als ob sie meine Gedanken gelesen hätten, schlugen Aline und Christine vor, ich solle herauskommen, und bugsierten mich auf die Toilette, und dann, einige Wehen später, ins Schlafzimmer, wo ein Geburtshocker auf mich wartete.
Ich fand diese neuen Wehen als noch kräftezehrende als die vorherigen und wunderte mich, dass mein Körper das überhaupt noch weitermachen konnte!!! Die anderen sagten mir, ich sollte mitpressen, was ich irgendwie auch versuchte, aber es ging nicht so vorwärts, wie ich es mir gewünscht hätte.
Nach einer Weile kam mir der Gedanke, wie schön es jetzt wohl wäre, sich ins Bett zu legen, als Christine als schon meinte, ich solle es mal im Bett versuchen (Meistertelepathin!). Also zog ich dorthin um. Dieser Drang zu Pressen wurde immer stärker, aber ich traute mich nicht so recht, weil ich das Gefühl hatte, ich würde mir untenrum alles zerreissen, wenn ich ihm nachgab, was ich Aline sagte. Sie meinte daraufhin, es fühle sich zwar so an, aber das hiesse nicht, dass es auch so sei! Das war, was ich hören musste, und ab da schob ich mit aller Kraft, nach dem Motto "Ich bring das hier jetzt zu Ende, koste es, was es wolle!"
Eine Weile (?) später erzählten mir die anderen, die Fruchtblase schaue heraus ... und etwas später war das Köpfchen zu sehen. Paul bekam einen ganz verklärten Gesichtsausdruck und meinte, jetzt würde es spannend! Ich fand das irgendwie unfair, denn für mich war es genauso wenig spannend wie vorher - ich einfach einfach nur fertig und wollte, dass es vorbei ist. Und an das Kind habe ich immer noch nicht geglaubt ... bis ein paar Minuten später auf einmal ein Krähen zu hören war!!! Der Kopf war fast da, vom Kinn abwärts steckte unser Kleines noch drinnen, was es aber nicht davon abhielt, sich schon zu Wort zu melden!! Das fand ich auch spannend :-)
Die nächste Wehe liess auf sich warten, und so bekam ich etwas Oxytocin- Nasenspray (was es nicht alles gibt ....!), weil unser Kind schon leicht blau wurde. Dann kam der nächste Schub und - ich weiss nicht, ob noch einer kam? - das Kind war draussen.
Es war tatsächlich so, dass es mir von jetzt auf gleich grossartig ging - ich war selig, hellwach und voller Energie! Ein Wunder!
Olivias Nabelschnur war ein wenig kurz, weshalb sie erstmal nur auf meinen Bauch kam. Nach dem Abnabeln kam sie dann an die Brust und machte sich gleich zielstrebig über meine Brustwarze her, dockte an und blieb für zwei Stunden an Ort und Stelle :-)
Bei mir mussten ein paar kleinere Risse in der Scheide genäht werden, wozu noch ein Arzt kam. Naja, nicht so toll, aber auch das habe ich dann noch überlebt ....
Insgesamt sind wir stolz und glücklich über ein quietschgesundes Kind, 3360g, 50cm und eine gelungene Hausgeburt ohne Interventionen (wenn man von Oxytocin-Nasenspray absieht ;-) ). Leider waren die Wehen für mich sehr sehr anstrengend und schmerzhaft, was mich wundert, weil ich sehr gut entspannt gewesen bin und grossartige Unterstützung hatte. Hm ..... nein, ich kann nicht sagen, dass ich jeden Tag gebären könnte. Allerdings ist das Ergebnis es wert!!!!
Olivia ist hinreissend!!! Und ich geniesse das Gefühl des Frischverliebtseins :-) :-) :-)
Sonntag, 25. September 2011
Viel nachzuholen ...
Heute ist der 25. September, und es ist sooo viel passiert die letzten Wochen...
Aber der Reihe nach (oben geht's weiter):
Dienstag, 16. August 2011
Immer noch schwanger!
Vorgestern habe ich schon die ersten Glückwunschmails zur Geburt bekommen. Leute, ich muss euch enttäuschen: Welche Geburt???
Rätselhafterweise ist das Kind immer noch in meinem Bauch, dabei habe ich seit fast 4 Tagen Wehen. Jede Nacht heftig, so dass ich denke, es geht los, und dann beruhigt es sich wieder, irgendwann schlafe ich wieder ein, und den Tag über weht es mit Pausen so leicht vor sich hin.
Gestern war ich total fertig, weil ich so schlecht und wenig geschlafen hatte, heute, nach viel Entspannung und recht ordentlichem Schlaf geht es mir besser.
Seit 3 Stunden habe ich wieder Wehen und hoffe, dass das Warten nun ein Ende hat.
Positiv stimmt mich, dass wir vorhin beim Arzt waren und der meint, für ihn sieht alles danach aus, dass es jeden Moment losgeht. Dabei sind Fruchtwasser und Plazenta noch im grünen Bereich, also fühlen sich meine Betreuer noch wohl mit Abwarten.
Seufzerleichtert. Gestern war ich nämlich ganz schön gestresst bei dem Gedanken, dass übermorgen schon 14 Tage über Termin ist und ich womöglich zu einer Einleitung im Krankenhaus "überredet" werden soll, wenn sich bis dahin nichts tut. Jetzt habe ich wieder Hoffnung, dass Baby dem zuvorkommt.
Drückt mir die Daumen!!!!